Die O(h)-Phase

Dienstag, 05.09.2017

Letzten Sonntags ging es dann los! Zum ersten Mal in die Uni :)) Zwar kamen erstmal nur zwei Tage Orientierungsphase, aber trotzdem musste ich ja erstmal in die Uni finden. Die ist am südlichen Ende von Ottawa, also brauche ich mit Umsteigen rund eine halbe Stunde von hier.

Zur Sicherheit lief ich die erste Etappe, also nach Downtown und musste dann so nur einen Bus finden und nehmen. Ich war auch superpünktlich an der Hauptbushaltestelle von Carleton. Jetzt nur noch das richtige Gebäude finden... Das hab ich dann nach einer Viertelstunde auch tatsächlich geschafft und dann saß ich in einem riesengroßen Hörsaal mit rund 600 anderen Studenten, die zum ersten mal an der Uni waren und nicht im Wohnheim wohnen (Die anderen hatten eine separate Einführung). Eine halbe Stunde fingen wir dann tatsächlich auch an ;)

Erst mussten wir aufstehen und alle zu "We No Speak Americano" tanzen und es machten sogar fast alle mit! Und dann wurden uns die drei Schlachtrufe der Uni beigebracht, die wir bei Football- oder Icehockeymatches benutzen sollen oder auch mal so zwischendurch :)) Rodney, der Rabe ist unser Unimaskottchen und es gibt sechs Fakultäten und insgesamt 25.000 Studenten - einfach megagroß!

Das und noch viel mehr wurde uns dann bei einer halbstündigen Powerpoint-Präsentation erklärt, außerdem wie wir Freunde finden, am besten zur Uni kommen oder wo man Essen bekommt. Danach hat der ganze Saal eine Runde kahoot gespielt, also dieses interakrtive Internetquiz, bei dem die ersten drei Gewinner einen Fernseher, ein Fitnessarmband oder Boxen gewannen. Kurz darauf wurden wir in kleineren Gruppen aufgeteilt, damit uns der Campus gezeigt werden konnte. Wir besuchten, die Eishalle, die Bahnhaltestelle, das Wohnheim, das "Ei" (größter Hörsaal), den Büroturm mit 22 Stockwerken und kleineren Stationen. Nach einem Stück Pizza für alle haben wir dann unsere First-Aid-Packages bekommen, also unsere Erste-Hilfe-Tüten. Das war super, eine Trinkflasche, Badezimmerprodukte, Kaugummi, einen "Raven"-Pulli und ein lila Shirt - ich bin im Team Galaxy gelandet. Zusammen mit mindestens 753249 Rabattcoupons :)

Am nächsten Tag, dem Montag, war Labour Day in Ontario, deswegen war die Uni geschlossen. Aber nicht in Quebéc, deswegen konnte ich hier ganz praktisch einkaufen gehen. Viel mehr habe ich auch ehrlich gesagt nicht gemacht, ich habe mal wieder meinen Blog gepflegt und meinen guten alten Freund Netflix besucht.

Am Dienstag bin ich dann extrafrüh in die Uni gefahren, um meine Campus Card und meine Busfahrtkarte abzuholen, dann meine Fakultät zu suchen und dann an der zweiten Pflichtveranstaltung für mich teilzunehmen: Die O-Phase der Austauschstudenten. Es gab wieder ein Stück Pizza für uns, während wir uns kennenlernen. Natürlich sind wieder extrem viele Deutsche unter uns, aber auch einige Briten, Australier, Schweden, Japaner und sogar wenige Spanier, Brasilianer oder Araber. Bevor wir uns dann den dreistündigen Vortrag anhören durften, wurden wir zur "Expo" geschickt, auf der sich alle Clubs und Societies vorstellten (ähnlich wie AGs). Das war ein Spektakel! Ich hab mich zwar (noch) nirgendwo eingetragen, aber es war cool zu sehen, mit welchem Enthusiasmus die Studenten ihren Pokerclub oder ihre Organisation, die sich für Tierschutz einsetzt, anwarben und versuchten, uns schmackhaft zu machen.

Der Vortrag war weitesgehend überflüssig, viel, was gesagt wurde, war eh schon klar oder hatte ich schon am Sonntag erfahren. Am dramatischten war der Auftritt der Bibliothekschefin, die uns eindringlich darauf aufmerksam machte, dass Plagiate in keinem Fall toleriert würden und zum Teil schon Exmatrikulationen an der Home University nach sich zogen. Naja, nach dieser netten Begrüßung kamen dann schönere Themen: Das Auslandsamt stellte sich vor, uns wurde der Kulturschock erklärt und an welche Dinge wir noch denken müssen. Dann liefen wir wiederum um den Campus herum und es wurde wieder erklärt, wo wir was finden können.

Danach wartete ich mit zwei deutschen Mädels rund zwei Stunden, bis wir uns abends wieder an der Uni trafen, um alle zusammen zu der Lichtershow am Parlament zu fahren. Anlässlich des Geburtstages von Kanada wird dort seit Wochen eine fulminante, atemberaubende Light Show gezeigt, die die Geschichte Kanadas darstellt. Da es dann ja nur noch 20 Minuten Laufen bis zu mir nach Hause waren, war ich dann relativ schnell auch schlafen. Am nächsten Tag begannen ja schließlich auch schon meine Kurse :)

 

Servus, Grias di und Allô

Samstag, 02.09.2017

Wow, ich bin jetzt eine Woche im Rückstand, aber ich versuche, das so schnell wie möglich wieder aufzuholen! Ich hatte tatsächlich die Woche echt viel zu tun - ist ja auch logisch, wenn sogar Busfahren oder den Stundenplan auszudrucken als Abenteuer ausarten :))

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Ich hatte für meine erste Nacht in Ottawa etwas ganz Besonderes ausgedacht. Das Hotel, das am nächsten am Flughafen liegt, ist das Garden Inn, welches zur Hilton-Hotelgruppe gehört. Daher hatte ich nach dem äußerst anstrengenden, viel zu langen Flug von zwei Stunden genug Gelegenheit und vor allem Platz, um mich erstmal wieder auszuruhen^^ Ein riesen Bett, ein viel zu großes Zimmer - also das Badezimmer alleine hätte mir auch gereicht - und eine Küchenzeile mit Ausblick! Ein Traum! Der Weg von Flughafen zum Hotel war leider nicht so ganz einfach. Wie gesagt, Kanada ist eher für Autos ausgerichtet als für Fußgänger. Deswegen musste ich um halb 12 Uhr nacht, ziemlich frierend auf der Straße entlanglaufen und dann kurz durch eine Buschreihe, um dann zur Rezeption zu stoßen. Natürlich hat sich das dann alles zehmal mehr wieder gelohnt, alleine schon wegen des Frühstücksbuffets am nächsten Morgen - es gab soviel, dass ich nicht alles probieren konnte.

Danach checkte ich aus und nahm ein Taxi zu meiner neuen Unterkunft, nur dass ich in dieser jetzt fast vier Monate bleiben werde :) Aus dem Taxi heraus konnte ich schon etwas von Ottawa sehen und wir mussten sogar an Carleton (meiner neuen Universität) vorbeifahren. Dann fuhren wir über eine relativ große Brücke und drei Straßen weiter waren wir am Ziel: In Hull (Gatineau). Ich wunderte mich, in welchem Film ich da wieder geraten war, denn alles war plötzlich nicht mehr zweisprachig ausgschildert, sondern nur noch auf französisch.

Mein neuer Vermieter, Philip, ist super! Er zeigte mir bei meiner Ankunft mein üppiges Zimmer, meine Wohnung und meine unmittelbare Nachbarschaft. Dann erklärte er mir die Sprachsituation. Während wir über die Brücke gefahren sind, haben wir nämlich Ottawa und auch Ontario verlassen und sind nach Gatineau hineingefahren, was zu Quebéc gehört. In dieser Provinz wird ausschließlich französisch gesprochen, obwohl natürlich hier - in direkter Nachbarschaft zum englischsprachigen Ottawa - auch Englisch verstanden und auch später im Gespräch benutzt wird. An das "Bonjour", das "Merci, au revoir!"  und das unverständliche Kauderwelsch dazwischen muss ich mich beim Einkaufen immer noch echt gewöhnen. Sobald ich dann jeden Tag wieder zurück nach Ottawa fahre, switch die Sprache um mich herum wieder. Echt richtig lustig irgendwo...^^

Meine Nachbarschaft ist sehr idyllisch, in meiner unmittelbaren Nachbarschaft gibt es mehrere Parks und natürlich überall den Rideau River. Zwei Straßen weiter befinden sich Hotelkomplexe, das meistbesuchteste Museum Kanadas und die Stadtverwaltung. Auf der anderen Seite ist dann die Flaniermeile von Hull mit rund zehn Bars und Pubs. Ich wohne jetzt inzwischen mit einem Franzosen und einem Kanadier zusammen, die beide hier nur einen Monat lang sind. Jeder macht sein eigenes Ding, aber das ist schon in Ordnung. Unsere direkten Nachbarn sind dann auch wieder Air Bnb - Bewohner und der Philip alleine.

Er nahm mich am Samstag auch mit zum Byward Market, der zum einen touristische Sehenswürdigkeit darstellt, aber auch einen gewöhnlich Markt besitzt, auf dem ich mir Lebensmittel besorgte. Dann kaufte ich mir noch eine neue Simkarte und machte meine Wäsche im Waschsalon. Ich denke mal, das war schon ein guter Start und ich werde es hier sicher gut aushalten!

Die letzten Stunden der Reiseetappe waren tierisch

Donnerstag, 31.08.2017

Das sind die Rentiere...     ...und das die Kariboos.

 Die Affen haben auch SICHTLICH Spaß       So ein Eisbär müsste man sein! :)

                             Hmm... das Selfie habe ich mir cooler vorgestellt!   Echt gut gemacht...! Der König der Saurier... und so ein komischer Dino.

Dafür, dass ich dank drei Hubschraubereinsätzen und mehreren Rettungswagensirenen andauernd aufgeweckt wurde, habe ich trotzdem relativ gut geschlafen in meiner Premiumunterkunft. Ich stand also gut ausgeruht auf und suchte mir einen Frühstücksort und fand auf Google Maps sehr schnell wieder mal einen Starbuck's. Um drei Ecken ums Krankenhaus herum musste ich ins Krankenhaus hinein, an einer komischen Hotelrezeption vorbei in den Starbuck's. Dort waren dann sehr viele Ärzte und Krankenschwestern am Start. Leider war die Stimmung echt etwas gedrückt und angespannt. Gut, beim Herausgehen habe ich dann auch gesehen, dass die Krebsstation direkt nebenan war... Ich habe mich etwas geschämt, neben so leidenen Menschen quasi Urlaub zu machen, und verließ die Krankenhausbleibe dann auch relativ zügig.

Immerhin gab es echt viele Taxis in den Straßen und ich wurde dann auch gleich mitgenommen. Mein Ziel war der Zoo. Jetzt denkt ihr euch, wie lame. Aber der angeblich schönste Zoo in Kanada war tatsächlich auch bombastisch spektakulär. Ich durfte sogar meinen großen Rucksack beim Einlass abgeben und für nicht mal 16 € ging's auch schon los. Wie schon in den Tagen davor, wurde ich wieder daran erinnert, dass die Kanadier wirklich viel investieren, dass die Parks und öffentlichen Anlagen ansehnlich, praktisch und informativ sind. So waren die Infotafel wieder zweisprachig und alles auch rollstuhlfahrerfreundlich gebaut.

Erst kam ich in den Teil, der mich fast am meisten interessiert hat, dem "Prärie"-Teil. Denn dort konnte ich nun alle Tierchen bestaunen, die ich in den ganzen Tagen davor immer hätte sehen können, aber natürlich nicht gesehen habe :) Also, das Rentier, den Bison, verschiedene Eulenarten, Luchs und Puma, den Elch und den Adler. Allesamt sehr spannend. Aber dann das Highlight des Zoos: Die Polarzone. Es wurde auch schlagartig voller und am Himmel klarte es auf. Zu sehen gab es neben Wolf, Schneeeule, Eisfuchs und Maskenochse auch das berühmte kanadische Kariboo, einige Robben und sogar drei Eisbären. Für diese wurde sogar eine gigantische Schutzerhaltungsanlage gebaut, denn durch den Klimawandel wird der Polarbär stark bedroht.

Die nächsten drei Teile widmeten sich dann Asien, Europa und Australien, also gab es von Tigern und Kängurus, über Steinböcke und Gibbonaffen bis hin zu Kranichen und Wildpferden viele verschieden Tierrassen zu sehen. Dies war allerdings nicht ganz so mein Ding, ich wollte ja primär die kanadische Faune zu Gesicht kriegen und das ist mir wohl mehr als gelungen. Beim Wiederherausgehen kam ich an einem ganz besonderen Bereich vorbei: Dem Dinosauriergehege. Natürlich waren diese Tiere weder echt noch lebendig, aber ich war positiv erstaunt, was für ein Aufwand betrieben wurde, um dort 15 originalgroße Kreaturen aufzubauen, die sich bewegen und Töne machen konnten.

Dann war es leider 17 Uhr und der Zoo schloss. Ich nahm also meine Tasche wieder und bestellte mir mein nächstes Taxi, dieses Mal Richtung Flughafen. Den nebenanliegenden Wildpark, der nochmal doppelt so groß wie der Zoo gewesen wäre, habe ich ja nicht mal ansatzweise gesehen, aber trotzdem war es ein super tierisches Erlebnis!

 

Am Flughafen lief mein Check-In, die Sicherheitskontrolle und das Finden des richtigen Gates überraschend schnell ab, sodass ich zwei Stunden vor Abflug mit allem komplett fertig war. Auf dem zweistündigem Flug von Winnipeg nach Ottawa habe ich genau ein Film gucken können und es wurde wieder Zeit, die Uhr zu stellen. Bleibt dran!

Gabeln und OP-Besteck

Mittwoch, 30.08.2017

Soooo....

Genau, ich wachte dann Mittwochmorgen im Zimmer dieses altmodischen Hotels auf und ging zum Frühstück, immerhin war das nicht aus den 60ern :)

Dann packte ich meinen Kram zusammen und pilgerte in meine nächste Herberge, die Bell Lennox Lodge, die etwa 3 km entfernt lag. Normal war der Plan, dass ich da bereits davor die Nacht verbringen wollte, aber da das mit Zug solange gedauert hat und deren Rezeption nur bis 22 Uhr besetzt war, musst ich eben eine Nacht woanders verbiingen und konnte dann wechseln.

Hinter diesem unscheinbaren Namen verbirgte sich dann die wohl seltsamste Unterkunft meiner Kanadareise - und dem treuen Leser meines Blogs ist sicher schon aufgefallen, dass ich teilweise an schon echt ungewöhnlichen und "besonderen" Orten untergekommen bin. Jedenfalls habe ich den Eingang erst gar nicht gefunden. Es gab zwar in der richtigen Straße ein riesiges Schild, aber im Erdgeschoss und den beiden Stockwerken darüber sah alles sehr krankenhausmäßig aus und die Wegweiser an den Wänden ließen auch eher vermuten, dass ich mich im chirurgischen Bereich des Krankenhaus befand. Im dritten Stock war dann wieder ein Schild mit dem Namen der Unterkunft und ein Empfangstisch, der eben wie auf einer Krankenhausstation hätte stehen können.

                                                                 Wie in so nem Film...

Beim Einchecken wurde es mir dann auch erklärt: Die Unterkunft ist dafür gedacht, dass Angehörige dort übernachten können und dann nicht öfter den Weg ins Krankenhaus machen müssen. Da die Zimmer aber nie ausgebucht sind, haben sich die Besitzer überlegt auch für Touristen zu öffnen und so war ich dann mitten in einer Krankenhausunterkunft.

Nach kurzer Verschnaufspause wollte ich dann aber endlich Winnipeg sehen, also lief ich wieder Richtung Downtown, vorbei an kleineren Parkanlagen und mehreren Vororten, bis ich an den großen Straßnkreuzungen vorbeikam. Natürlich durfte auch ein Besuch des Legislature Buildings (Regierungsgebäude) fehlen, schließlich war ich ja bisher bei allen vier der vergangenen Provinzen. Das war wie immer äußerst prächtig und komischerweise relativ wenig besucht. Zurück am Ufer des Red Rivers,  kam mir das Canadian Museum of Human Rights (Menschenrechte) geradezu in die Quere. Da der Bau von Außen schon echt was hermacht und ich eh nichts anderen geplant hatte, ging ich auch hinen und musste eine Viertelstunde warten, damit sich der Eintrittspreis von 18 $ auf 5 $ senkte.

Das hinten ist das Museum, das vorne ist Rasen :) Alt trifft wiedermal Neu Noch ein Regierungsgebäude! Die typische Vorstadtkulisse

Ich war sehr sehr froh, diesen Schnapper gemacht zu haben, denn so ein derartiges Museumserlebnis noch nie gahbt habe. Und zwar  auf eine ganz positive Weise: Auf sieben Ebenen wurde das Thema "Menschenrechte" veranschaulicht. Aber nicht nur mit Texten und Bildern, sondern auch mit Videos, interaktiven Spielen, Quizfragen, Skulpturen. Es war alles sehr mit Liebe zum Detail aufgebaut und uns auch sehr interessant näher gebracht. Es gab zum Beispiel auch einen Teichgarten mitten auf einer Ebene, der die Wiedergutmachung symbolisieren sollte. Danach ging es thematisch um das Dritte Reich, die Unterdrückung der indianischen Bevölkerung in Nordamerika, und die Ausgrenzung von religiösen, sexuellen oder gesundheitlichen Minderheiten. Die geplante "eine Stunde", die ich dort nur verbringen wollte, artete dann in dreieinhalb Stunden aus und es war bereits dunkel, als ich dann Hunger bekam.

Also ging ich ein paar Straßen weiter, zum Viertel "The Forks" (die Gabeln), um mich dort auch mal umzusehen und dann dort eine Pizza zu essen. Das Viertel war äußerst touristisch, es gab überall Stände und kleinere Pubs. Nach kurzem Schelndern war es mir dann genug und ich lief wieder zurück nach Hause, es war ja immer noch 30 Minuten zu meiner wunnderbaren Unterkunft :)

Das Oha-Museum von Innen :D Die wunderbare Deko draußen und schließlich die

Hätte ich doch ein Pferd...

Dienstag, 29.08.2017

Am Montagmorgen bin ich dann wieder sehr früh aufgestanden und es wartete wieder einmal ein Tag auf mich, der nicht so ganz rosig für mich ausfallen sollte. Mein Ziel war das etwa drei Stunden entfernte Saskatoon. Zwar nicht die Hauptstadt von Saskatchewan, aber laut meines Reiseführers das kulturelle Zentrum der Region, außer dem wohl die Cowboystadt schlechthin. Ich stand um 7 auf und lief quer durch die Stadt zum Busbahnhof.

Da es weder Busse noch sonstige öffentliche Verkehrsmittel dorthin fahren - die wurden im Mai gestrichen -, blieb mir nichts anderes üblich als mit einer privaten Transportfirma in so einer Art Van dorthin zu fahren. Preislich war dies auch fair, aber es gab jeden Tag nur zwei Abfahrten: Um 8 a.m. und 5 p.m. Ich entschied mich für die erste Option, schließlich wollte ich mir die Stadt auch noch ansehen. In meiner Bestätigungsmail stand ich soll um 8 Uhr an einer Adresse sein, die sich dann um 8 Uhr, als ich dann (2 Minuten zu spät) da war, als improvisierte Bürozentrale entpuppte. Es lagen nur zirka 15 Mal immer dieselbe Broschüre im Schaufenster und es waren ein paar Klappstühle aufgebaut. Hinten konnte man in einen Hinterraum sehen, in dem noch ein Baugerüst stand.

Es kam niemand. Um 5 nach 8 auch nicht. Um Viertel nach 8 auch nicht. Um kurz vor halb 9 schaute ich mir mal genauer diese Broschüre an: Dort stand als Treffpunkt ein Parkplatz  drauf, der die Straße runter etwa 5 Minuten entfernt lag. Na toll, also habe ich den Bus verpasst... Eine Hoffnung hatte ich noch, es gab ja noch einen Bus um 17 Uhr. Allerdings wollte ich direkt mit jemanden aus dem Büro sprechen, ob mein Ticket denn noch gültig ist. Die angegebenen Bürozeiten (8-12 Uhr) haben natürlich auch nicht gestimmt - um 10 Uhr war immernoch niemand dort. Ich entschied mich dann erstmal etwas zu frühstücken. Um 12 Uhr dachte ich mir dann, dass ich vielleicht doch noch etwas durch Regina laufen könnte. Jedoch wollte ich das nicht mit meinem riesen Backpack machen. Drei Hotels konnten mir nicht weiterhelfen, als ich sie fragte, ob sie meinte Tasche für einige Stunde verstauen könnten. Naja...Ich hab mich dann in den Park gesetzt und mein Buch gelesen :)

Um halb 5 ging ich dann wieder ins "Büro" der Firma und wurde von einer Omi begrüßt, der das alles mega leidtat, obwohl sie gar nichts mit der Sache zu tun hatte. Ich schilderte das alles dem in Ekstase gefallenen Russen am Schalter, der mir durch Gestik und Mimik gebrochen zu verstehen gab, wieso ich denn überhaupt so ein Stress mache, es gibt doch immer noch ein paar Plätze frei. Und dann löste sich auch alles auf: Treffpunkt soll ab in einer Woche dieses Büro sein und es wird als selbstverständlich erachtet, dass die Passagiere mindestens 20 Minuten eher da sind. Der alte Treffpunkt (der besagte Parkplatz) wird nur noch die Woche angefahren, damit die Vielfahrer nicht so überfordert sind. Alles klar. Alle stiegen ein, wir fuhren drei Stunden lang durch die triste Prärie und beim Einbruch der Dunkelheit waren wir auch wirklich in Saskatoon.

Endloses Nichts......nur Heuballen und Büsche!

Wir wurden von unserem Fahrer - auch ein reizender, russischer Zeitgenosse auf einem Walmartparkplatz in die Freiheit entlassen. Ich musste dann nur noch 20 Minuten von Downtown weglaufen, um an meinem Ziel anzukommen. Dieses Mal kein Hotel oder Hostel, sondern ein sogenanntes "Homestay", also bei jemanden wohnen, der sein Gästezimmer untervermietet. Ich war mir nicht mal richtig sicher, ob mir das so geheuer war, als ich durch eine Öffnung in einer meterhohen Hecke um ein Wohnhaus herum zu einer Tür auf einer Veranda gehen und dort mit einem Türklopfer anklopfen musste. 10 Minuten kam niemand und ich dachte schon, meine Buchung war untergegangen, als ein überaus übergewichtiger Mann um die 50 mich überschwänglich empfang. Er bot mir gleich einen Platz auf seinem Sofa und eine Coke an und wir warteten, bis der Vermittler von Booking.com kam. Dieser Inder klärte dann mit mir alles Offizielle und erklärte mir den Schlüssel. Dann war er weg, ich nur noch froh in meinem Einzelzimmer zu sein und der Besitzer am Abendessen kochen. Es war ja auch erst 22 Uhr inzwischen.

Die Gegend war relativ unheimlich... Gegenüber waren die Fenster eines heruntergekommenen Hauses mit Brettern verrammelt und davor drei Volltättowierte am Streiten. Lauter Schreie aus den Häusern und sehr bizarre Gestalten unterwegs in den Straßen. Ich kann echt nicht sagen, in welchen Stadtteil ich da geraten bin, aber von Saskatoon hatte ich ja im Grunde dann gar nichts :/

 

Der nächste Tag sollte viel besser starten. Wieder sehr früh, um halb 7 verließ ich dieses wunderbare Domizil und fand direkt ein Taxi, das mich dann zum Bahnhof brachte. Ich wollte unbedingt auch mal mit dem Zug Via Rail Canada fahren und die Strecke Saskatoon - Winnipeg erschien mir ideal. So hatte ich eine Fahrt von 8.30-20.45 Uhr vor mir - eine Stunde wegen der Zeitverschiebung. Natürlich lief das auch mal wieder nicht glatt :)
Ich kann inzwischen auch echt nur noch drüber lachen, um ehrlich zu sein^^ Aber der Zug hatte 2 1/2 Stunden Verspätung, als er im Bahnhof einlief und verlor dann noch eine halbe Stunde, weil er so oft wegen überholenden Zügen anhalten musste.. Ich war allerdings äußerst überraschend, wie komfortabel man in diesen Zügen reist! Ordentlich viel Beinfreiheit, Wasserspender und jeder hat seine Steckdose. Nur WLan hätte noch gefehlt oder dass das wunderbare Essen nichts gekostet hätte. Zur Abwechslung waren die anderen Gäste auch wirklich nett und freundlich! Es gibt tatsächlich Kanadier, die tagelang in diesem Zug sitzen, der drei Mal die Woche von Vancouver nach Halifax und zurück fährt! Ich war ja mit den 12 Stunden nahezu überfordert, aber 36 Stunden uns mehr finde ich dann fast schon zu viel des Guten xD Achso per Durchsage wurden wir auch auf eine Herde Bisons aufmerksam gemacht, die neben den Gleisen grasten. Viele Leute bezahlen viel Geld und wir sahen die etwa 50 Tiere quasi im Vorbeifahren, echt toll!

Als es dann Mitternacht war, kamen wir in Winnipeg an. Die Hauptstadt meiner vierten Provinz, Manitoba, hat 800.000 Einwohner und liegt genau im Nirgendwo :) Ich habe mir dann in Bahnhofsnähe das günstigste Hotel für die Nacht gesucht und habe dann einfach nur noch geschlafen! ;)

 An diesen zwei Tagen hätte ich mir durchaus ein Auto gewünscht oder ein Pferd, damit ich sogar stimmig in die Prärieszenerie passe! Aber man kann nicht immer alles haben im Leben...^^

 

 

Die komfortableste Art zu reisen Schön, dass ich nicht nur Statuen von dir gesehen habe!

Die Königin und ihr Hofnarr

Sonntag, 27.08.2017

Ja, was kann denn auf einer Nachtfahrt schon großartig falschgehen? Ich bin es so in Südamerika auch schon gewöhnt gewesen, viel im Bus zu schlafen und viele Stunden im Bus zu verbringen. Ich kam eine Stunde vor Abfahrt des Busses an der Station an, weil Onlinereservierungen nur bis eine Stundevorher zählen und dann verfallen. Also checkte ich ein und musste dann über eine Stunde warten, bis wir überhaupt erst mit der Taschenkontrolle anfangen konnte. Sowas musste ich bei den Busfahrten davor nie machen: Fast meinen gesamten Rucksack musst ich leermachen, nur damit sie mich auf sonst was kontrollieren konnten. Alle mit reservierten Sitzen oder Anschlussfahrten kamen zuerst dran und so war ich der allerletzte, der zum Bus kam. Durch nette Herrschaften, die meinen zwei Plätze belegen zu müssen und dich dann auch nur blöd anmachen, wenn man sie darauf anspricht, saß ich ganz vorne neben einem Dunkelhäutigen Pseudo-Rapper inklusive Goldzähne und Silberkettchen, der offenbar seine Beine nicht schließen konnte und so saß sich halb auf dem Sitz und halb hockend im Gang. Um Mitternahct ging’s los.

An der nächsten Station stieg die Frau auf der anderen Seite, direkt hinter dem Fahrer, aus und ich hatte einen Zweier für mich^^ Das hielt dann so für zwei Stunden, bis es einen Fahrerwechsel gab und ich da auf keinen Fall sitzen durfte, die Tasche vom neuen Fahrer musste ja auch ihren Platz haben. Darauf ein Zettel mit „Seats Reserved No Sit“, was leider grammatikalisch falsch aber doch sehr deutlich war. Ich fand den letzten Platz neben einem wenig begeisterten, abgemagerten Mann im Achselshirt, der nur meinte, ich könnte dort sitzen, bis „seine Bitch“ aufhört auf dem Boden zu schlafen und wieder neben ihm sitzen will. Das war dann auch schon an der nächsten Station der Fall. Ich musste wieder ganz nach vorne auf genau dem Platz vom Anfang, nur jetzt neben einer jungen Frau. Der reizende Busfahrer meinte dazu nur, ich könne da eigentlich auch nicht sitzen, was ich dann mal eiskalt ignoriert habe. Für die letzte halbe Stunde hatte ich diesen Zweier auch für mich und ich kam in der nächsten Stadt an. Regina. Die Hauptstadt der Prärieprovinz Saskatchewan mit nicht mal 200.000 Einwohnern. Ich war froh, aus dem Affenzoo entlassen zu sein und lief direkt ins Hostel, am anderen Ende der Stadt. Dies war jedoch kein Problem, Regina ist wirklich schön. Und der Plan war auch, später wenn ich mich kurz ausgeruht hatte, mir alles einmal anzusehen. Aber dann dufte ich mit der komischsten Bekanntschaft dieser Reise Vorlieb nehmen.

Beim Schreiben hier denke ich mir wirklich oft, ob ihr das alles glaubt was ich schreibe, denn ich komme mir tatsächlich oft wie im falschen Film vor. Das war schon beim Hitchhiking und eben auch in dem Hostel jetzt und das wird sicher auch noch in Zukunft so sein. Phineas, 74 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Regina und lebt aber jetzt wieder auf unbestimmte Zeit im Hostel dort. Das Gespräch mit ihm verlief erst noch wirklich normal: Woher ich denn komme und was ich so mache… Irgendwann fing er an, über Ottawa zu wettern und überhaupt die gesamte Situation mit der Zweisprachigkeit in Kanada wäre doch Unfug. Dann kamen wir auf das Thema Deutschland und nach mehreren Wiederholungen des Hitlergrußes, kam er auch zum Kern seiner Aussage, dass nämlich alle Religionen außer der Katholizismus schuld an den schlimmen Dingen der Welt seien. Muslime wären alle Attentäter, Hindus wären alle widerlich und Vergewaltiger und Buddhisten würden nie alleine denken, sondern immer nur gehorchen. Ich zeigte ihm ganz offensichtlich, dass ich da tatsächlich eine andere Meinung vertrete, aber das juckte ihn herzlich wenig und dann sollte ich „Jesus Christ is the shining of my world!“ wiederholen. Ich hatte zwischenzeitlich wirklich Angst vor ihm, da er für 70 Jahre noch durch den Raum sprang und beim Erzählen auch immer näher an mich herankam. Danach sollte ich ein paar Psalme auf seinem Computer reinigen und ihm meine Email-Adresse geben. Falls es einen Marvin Erdmann gibt, tut es mir leid, dass er jetzt Nachrichten eines Irren bekommt. Ich bekam davor seine zwei Visitenkarten, auf denen er mit zwei verschiedenen Namen unterwegs ist, eine Firma, die offenbar gegen den Islam wettert und eine, die das Christentum propagiert. Nach zwei Stunden dieser Bekehrung verließ er dann endlich das Hostel und ich war leicht durcheinander. „Thank God, He has led you into my arms!“

 

Das Museum der Prärie macht außen... ...wie innen mächtig was her! Das Regierungsgebäude - am See Einfach magisch!

 

Gar nicht viel später gab es bessere Neuigkeiten. Es kam noch ein weiterer Deutscher aufs Zimmer. Jan auch Münster macht gerade Work & Travel durch Kanada und überlegt sogar herzuziehen. Wir verbrachten dann den Nachmittag miteinander, gingen ins gutgemachte Heimatmuseum der Prärie und hatten ein super Dinner. Da an diesem Tag ein Guns’n’Roses Konzert in Regina war, liefen wir ins Miosaic Stadium außerhalb der Stadt. Danach setzten wir uns an den See und blickten auf das Regierungsgebäude, dem Legislative Building, und liefen gegen 10 Uhr wieder zurück zum Hostel. Ich wollte dem Fanatiker einfach so gut es ging aus dem Weg gehen. Regina war wie gesagt eine echte Überraschung, obwohl es auch nicht viel zu sehen gab – positiv als auch negativ.

Ein Hauch Luxus, viel Multikulti und wieder etwas Olympia

Samstag, 26.08.2017

Auch etwas Kunst...^^ Ein botanischer Garten mitten in einer riesigen Mall, na klar

Ich wurde von meinem Hostel von einem sehr grimmigen Mann abgeholt und war sogar der Erste, der in den Van einsteigen durfte. Dieser musste dann nur noch rund fünf Mal Leute einsammeln, ehe wir an der großen Bussammelstelle in Banff ankamen. Dort warteten schon genug andere darauf, endlich in den großen Reisebus einsteigen zu dürfen. Irgendwie ist das komisch mit den Travel Agencies, je nachdem, wo man bucht, bekommt man andere Privilegien… Jedenfalls fuhr Earney, unser Busfahrer um die 80 Jahre, dann auch los und ließ sich auch nicht nehmen, die ganze Fahrt via Headset durchzuquatschen. Manche Dinge waren auch echt interessant muss man sagen, dass Calgary zum Beispiel die viertgrößte Stadt in Kanada ist, aber die Gesteinsanteile der vor uns liegenden Berge sind mir dann doch leider herzlich egal…

Erst hielten wir am Flughafen, dann in der Innenstadt. Ich hatte zufälligerweise genau das Hotel gebucht, an dem wir auch als erstes hielten: Das Sandman Hotel. Komischerweise gibt es in Calgary keine Hostels und auch nur überteuerte Motels, sodass ich mir dachte, ich müsste mir auch mal was gönnen. Für stolze 70 € die Nacht hatte ich dann aber auch ein Doppelbett mit Fernsehen für mich, ein eigenes Bad mit Wanne und einen sagenhaften Ausblick aus dem 20. Stock mitten in Downtown. Ich hätte auch noch den Fitnessraum, die Computer und den kostenlosen Zimmerservice in Anspruch nehmen können, aber ich wollte es dann auch nicht übertreiben. Ein Schmankerl habe ich aber dann doch noch gehabt, ich stand am Samstagmorgen extra um 8 Uhr auf und hatte noch zwei Stunden den Hotelpool inklusive Whirlpool für mich alleine, bevor ich auschecken musste.

Mitten in der Innenstadt Calgarys...

Freitag bin ich übrigens noch kurz draußen gewesen, um im Ausgehviertel in einer hippen Burritobar Tacos zu essen. Calgary hat mir schon bei Nacht megagut gefallen und dieser Eindruck hat sich dann auch am Folgetag im Hellen bestätigt. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber würde fast sagen, sie ist sogar schöner als Vancouver – der Vergleich liegt nicht nur wegen der Größe, sondern auch wegen dem ähnlichen Backround, den Olympischen Spielen, nahe.

Ein Denkmal für die Olympia (glaub ich) Ach, du wunderschöner Bow River! Die Peace- Bridge Die Skyline - Ein Traum!
Ich schaute mir dann mittags wie gewohnt die Stadt an, indem ich einfach irgendwie drauflosgehe und hoffe, etwas Spannendes zu entdecken. In diesem Fall lief ich genau in eine Straßenparade mit lauter Raggaemusik und bunten, kitschigen Kostümen drauf zu. So wie ich es verstand, war das die Parade der aus der Karibik stammenden Kanadier, die den 150. Geburtstag des Landes auf diesem Wege feierten. So ein buntes Treiben und lebensfrohe Menschen habe ich selten gesehen. Da die Parade etwas kurz war, bin ich immer wieder vorweggelaufen und habe sie so praktisch drei Mal verfolgt, wobei mir die Sambatänzerinnen aus Brasilien mit ihrem Live-Rapper am besten gefallen haben! 😊

Schee woar's!

Als nächsten Programmpunkt musste ich einfach auf den Calgary Tower, was auch überraschend günstig war und auf dem echt nicht viel los war. Man kann von dort oben über die gesamte Stadt mit Vorbezirken blicken und sogar bis zu den Rocky Mountains. Einfach klasse! Ich konnte mir auch schon Mal einen Weg ausdenken, den ich danach gehen wollte: Zum Memorial Park, in dem gerade ein muslimischer Aktionstag stattfand, vorbei am gottverlassenen Rodeostadion, genannt Stampede, entlang des Bow River, über einige Brücke, wie die Peacebridge bis zur wunderbaren Strandpromenade, wo ebenfalls ein Streetfoodfestival stattfand. Viel los würde ich mal sagen. Alles in allem muss ich wiedermal sehr viel gelaufen sein, denn meine Füße brannten leicht. Es hat sich aber dennoch gelohnt und ich hätte gut auch noch länger dort verbringen können. Allerdings musste ich noch etwas essen, mein Gepäck wiederholen und in den etwas entfernen Busbahnhof laufen. Die nächste Nachtfahrt stand an. Und zwar eine der Schlimmsten.  

Mein neuer Kumpel! Der Ausblick vom Tower

Nur Kermit blieb trocken

Freitag, 25.08.2017

Für den nächsten Tag habe ich mir etwas ganz Spektakuläres herausgesucht: Wildwasser Rafting! Ich musste zwar um halb 7 aufstehen, meine Sachen zusammenpacken, auschecken und den bis in die Stadt nehmen, aber das war es wert! Ich war auch mal wieder der Letzte, da der Bus zum Treffpunkt einige Minuten zu spät war, aber naja… Damals in Peru ja den Sport auch schon mal probiert, daher wusste ich, dass ich auf jeden Fall eine Menge Spaß haben werde 😊

Und so war’s dann auch! Die Anreise hätte zwar etwas kürzer ausfallen dürfen – nach rund 40 Min von Banff zur Rafting Base wurden wir nochmal 20 Min mit einem gelben Schulbus zu den Schlauchbooten gefahren. Aber dann ging es los^^ Man muss auch dazu sagen, dass wir nicht nur im Nationalpark, sondern auch in einem unabhängigen Indianerreservat geraftet sind, also in einem Gebiet, zu dem man als Normalsterblicher gar keinen Zutritt hat.

Nach der ersten Etappe, in der es schon mal ordentlich zur Sache ging, kam gleich das Klippenspringen dran. Da hatten wir die Wahl zwischen 3 Metern und etwa 10 Metern – ich habe mich für die erste Option entschieden. Und…das Wasser hatte wirklich einen guten Erfrischungscharakter. Auf Raten unseres Guides habe ich mir nur einen Neoprenanzug übergestreift und nicht wie die meisten anderen auch noch ein regenjackenartiges Oberteil. Mir war echt gut kalt 😊

Das einzige Manko, wenn man doch etwas bemängeln wollte, war es, dass wir 66 Leute (verteilt auf acht Boote) waren, man also ständig warten musste, bis man endlich dran war. Dementsprechend lange hat es auch gedauert, bis alle dann mal fertig umgezogen waren oder alle mal ins Wasser gesprungen sind. Ich saß in einem Boot mit einem älteren Schottenpärchen, zwei deutschen Freundinnen und einem dicken, kanadischem Paar mit ihrer Tochter. Unser Guide Adam war extrem engagiert und sehr sehr lustig.

Dann nach etwa einer halben Stunde kam das Highlight des Trips, Adam bestimmte zwei von uns, die ganz nach vorne ins Boot sollten und nicht mehr mitpaddeln mussten^^ Gut, dass ich auch unter den zweien war, denn sonst hätte ich das Folgende nicht so miterlebt. Wir mussten natürlich wieder „anstehen“, um dranzukommen, fuhren dann aber hinter einer Welle sehr langsam an sie heran, bis ich vorneheraushängend das zuströmende Wasser direkt vor meinem Gesicht hatte. Dann paddelte Adam noch einmal beherzt mit und mein Kopf verschwand komplett für mehrere Sekunden unter der Wasseroberfläche. Ich musste mich richtig an den Seilen festkrallen, sonst wäre ich einfach weggespült worden. Ein Heidenspaß! Dann ging die Tour ein wenig ruhiger weiter und zum Schluss gab es dann nochmal eine echt krasse Abfahrt 😊 Alles in allem megagut und die Nettozeit im Boot war dann auch bei zirka 2 Stunden, also alles in Ordnung.

Nach kurzem Umziehen, Snack und noch kürzerem Schnack mit den beiden deutschen Mädels, fuhr uns die überaus nette Kaley dann wieder zurück nach Banff, wo ich endlich etwas Richtiges essen konnte und im Hostel darauf wartete, von einem Kleinbus abgeholt zu werden. Mein Tagesziel war nämlich nicht nur, das Rafting gut zu meistern, sondern auch noch ins anderthalbstündige Calgary zu fahren.

Achso, falls ihr euch fragt, was Kermit mit der Sache zu tun hat… Adam hatte auf seinen Rücken einenetwa 20-cm-langen Kermit geschnallt, als – wie er mir erklärte – Tradition eines Kollegen aus Australien, der immer einen Elmo auf seinen Touren dabeihatte. Adam meinte nur noch: „Wenn Kermit trocken bleibt, war die Raftingtour zu harmlos!“

Oscar, der Wiedergänger

Donnerstag, 24.08.2017

 

Da es ja erst 18 Uhr war und ich wahrscheinlich durch die Übermüdung zusammen mit dem Staunen des Tages in einer Art Adrenalin-Tatendrang war, spazierte ich die 20 Minuten Weg vom Hostel bis in die Innenstadt und es war mega! Banff hat Ähnlichkeit mit einem wunderschönen Bergdorf in den Alpen, aber trotzdem wirkte alles wegen dem bevorstehendem Sonnenuntergang nochmals schöner! Angekommen an der Hauptflaniermeile, war ich verwundert, welche Menschenmassen sich dort überall tummelte. Klar, dass fast alle Unterkünfte ausgebucht sind und dass man lange wegen eines freien Tisches in einem der unzähligen Restaurants suchen muss…

Es reihen sich dort Souvenirshops an Restaurants, Hotels an Bars und hin und wieder auch an Outdoorläden wie Jack Wolfskin oder Quechua. Ich lief die Straße einmal komplett entlang und fand schließlich einen Saloon, in dem das Licht sehr gedimmt war und in dem ich mich an die Bar setzen sollte, damit „ich mich nicht alleine langweile“. Auf einmal kam ein Mann auf die dunkle Bühne und spielte einen Westernsong nach dem nächsten auf seiner Countrygitarre. Ich aß in der Zwischenzeit meinen Bisonburger – das schmeckt eigentlich wie Bison – und trank ein kleines Bier – naja, das schmeckt dort eher bescheiden. Dann ging der Sänger von der Bühne und eine Rockband baute ihre Instrumente auf. Sie sahen etwas aus wie die BossHoss, nur viel natürlicher und noch lässiger 😊 Dann schmetterten sie ein Johnny Cash Song nach dem anderen heraus und die Leute hatten sichtlich Spaß alle. Zwei Paare tanzten sogar richtig gut Square Dance! Gegen halb 12 dachte ich mir, es wäre vielleicht auch mal gut, wieder zurückzulaufen.

Die Natur hingegen ist sagenhaft! Kein Wunder, dass hier, in Kanadas ältestem Nationalpark, sehr viele Filme gedreht wurden, unter anderem „The Revenant“, für den Leonardo di Caprio schließlich doch seinen Oscar bekommen hat. Innerhalb des Parkes schon gibt es viele verschiedene Landschaften, in einem Moment sieht man Mischwälder, im nächsten gewaltige Rasenflächen und stets die riesigen Rocky Mountains, die über die Baumgrenze hinausragen und teilweise auch mir Schnee bedeckt sind.

 

Wie in den Alpen... Die Wasserfälle hatten es in sich! Die Innenstadt von Banff

 

 

Den nächsten Tag bin ich dann erstmal wieder ruhiger angegangen... Also bis halb 11 ausgeschlafen, und erstmal einen wunderbaren Frühstücksburrito in dem Restaurant, welches zum Hostel mit dazugehört. Da es noch relativ doll bewölkt war, habe ich den Kontakt nach Hause gepflegt und bin dann kurz nach Mittag losmaschiert, obwohl es immer mehr nach einem Regenschauer aussah. Banff ist eigentlich relativ klein und unscheinbar, aber sehr in die Länge gezogen. Außerdem – wie schon erwähnt – äußerst touristisch, was ich ja immer nicht ganz so prickelnd finde. Ich startete meinen Walk mit einem genialen Frozen Yoghurt und lief wieder aus der Stadt heraus, Richtung Wasserfälle, den Bow Waterfalls, die nur etwa 20 Min von der Stadt wegliegen und an denen es vor Touristengruppen natürlich wieder einmal nur so wimmelte… Ich glaub da muss ich mich dran gewöhnen. Die Wassserfälle waren jetzt nicht ultraspektakulär, jedoch relativ schnell dafür, dass sie nicht so hoch waren. Die Fälle enden dann in einem See, der wieder eindeutiges Postkartenpotenzial hatte.

Danach merkte ich, dass das Wetter immer schlimmer wurde, wollte mich aber dadurch nicht beunruhigen lassen und lief dann mit Schirm in Südrichtung. Selbstverständlich habe ich unbewusst auch wieder den stündlichen Bus verpasst, weshalb ich die 3 km Berg hinaufgelaufen bin, schließlich fahren ja auch fast alle zum Wandern nach Banff. Im strömenden Regen kam ich an einer Gondelbahn an, die – wer konnte es ahnen – proppenvoll war. Ich war leider zu geizig 65 $ (fast 50 €) jeweils für eine Viertelstunde Sessellift- oder Gondelbahnfahrt auszugeben. Die Aussicht war auch so schon atemberaubend, denn ich war in etwa auf Höhe der Baumspitzen im Tal. Mit einem Starbuckskaffee bewaffnet schaute ich mir auch noch die angrenzende, zweite Attraktion an: Die heißen Quellen. Dort kann man tatsächlich für 25 $ mit rund 80 anderen Gästen in einem freibadähnlichen Schwimmbecken planschen. Gut, dass ich keine Badehose dabeihatte und wieder mal zu geizig war^^ Durch den Regen waren die Botanischen Gärten und die gesperrte Höhle sowieso kategorisch raus.

Zurück nahm ich dann wirklich den Bus nach Banff, und unten im Tal schlenderte ich noch ein wenig durch die Souvenirläden und Stände. Dann ließ ich den Abend mit einer viel zu großen Pizza ausklingen. Ich dachte, ich könnte Medium schon schaffen, aber in Amerika sind die Größenverhältnisse eben etwas anders XD
Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, lief ich wiederum zum Hostel zurück und relaxte noch ein bisschen, denn ich hatte am nächsten Tag wieder viel vor.

Der Rockie Blues

Mittwoch, 23.08.2017

Dann startete wie geplant die Tour durch die Nationalparks der Rocky Mountains. Ich muss leider wirklich sagen, dass mir Jasper so als Stadt auch wirklich zugesagt hätte, zwar alles sehr touristisch und überfüllt alles, aber während langsam die Sonne aufging, strahlten die herumliegenden Berge in einer irren Mischung aus Orange-Rosa. Ziemlich schnell würde ich aus meinem Schwärmen wieder in den Boden der Tatsachen katapultiert.

Ich bin ja leider wirklich bekennender "Touren"-Hasser, also geführte und beguidede Touren, die meist von Rentnern in Anspruch genommen werden. Im Folgenden werde ich jetzt alle Ereignisse des Tages ganz nüchtern erzählen und jede Stelle, die mir dabei nicht do zugesagt haben, werde ich mit einem (*) versehen; ihr dürft dann raten, was ich meine.

ABER: Die Natur war supermegaschön!

Wir mussten ins Visitor Center, um uns dort unser Lunchpaket für den Tag abzuholen. Immerhin hatte man eine Auswahl an Sandwiches oder Salat, verschiedenes Obst und verschiedene Chipssorten. Da unserer Reisegruppe aus etwa acht Rentnerpaaren, einem Muttersöhnchen – Mutter-Gespann, einer Mutter-Tochter und neben mir noch zwei Alleinreisenden bestand, hat es leider tatsächlich echt gedauert, bis die Herrschaften gerafft haben, was sie nehmen dürfen und vor allem, wieviel (*). Dann hatten wir genau (*) 10 Min Pinkelpause und wenn wir nicht pinkeln mussten, sollten wir uns die Mitbringsel in dem Souvenirshop ansehen (*).  Ich hätte mir zwar gerne die Wasserfälle angesehen, die zehn Gehminuten entfernt lagen (*), aber dafür war keine Zeit.

Wir sind direkt weiter an die Gletscherstation des Nationalparks, wo unser Guide noch unsere Tickets holen musste. Also hatten wir dort wieder 30 Minuten Leerlauf (*) mit mindestens 500 anderen Touristen (*), 80 % davon Asiaten 😊 Dann bekamen wir die Tickets und mussten nur noch auf Busse warten, die uns dann zum Fuße des Gletschers fuhren. Leider war der Großteil der Leute bei uns Koreaner, so waren die ganzen Informationen auf Koreanisch, ohne Untertitel oder Übersetzung (*). Dann mussten wir alle raus und fuhren mit so einer Art Schneemobil weiter, direkt über den Gletscher. Das war atemberaubend!!! Dann kamen wir zu einem abgesperrten Bereich und zusammen mit 100 anderen Touristen (*) durften wir direkt auf dem Athabasca-Gletscher spazieren. Einfach toll! Dazu hatten wir genau 15 Min Zeit (*) und wir mussten unbedingt dasselbe Fahrzeug wieder zurücknehmen wie hin (*). Zurück an der Bergstation stiegen wir gleich wieder in einen anderen Bus, der uns nach 5 Min zum Glacier Skywalk brachte. Keine Chance zwischendurch was trinken oder zur Toilette zu gehen (*). Der Skywalk war auch wieder ultranice, denn man läuft über Glasplatten und schaut dabei rund zwei Kilometer in die Schlucht. Naja, leider war es wieder echt voll (*), sodass man nie alleine Fotos machen konnte (*). Hier gab es keine zeitliche Begrenzung, aber unser Guide hat uns eine Treffpunktzeit vorgeschrieben (*), die ich nur gerade so geschafft habe.  Er hat leider eh viel gestresst und uns wenig entscheiden lassen (*).

Klar, wir mussten auch unser Pensum schaffen und auf Überstunden hätte ich auch keine Lust, aber bei den meisten Attraktionen haben wir – wenn überhaupt – nur kurz gehalten (*). Da er den Banff-Nationalpark auch nicht so schön wie den Jasper-Nationalpark. Darum haben wir dort gar nicht mehr gestoppt und haben uns nur den Lake Bow und den Lake Louse angesehen (*). Der war mein absolutes Highlight! Vielleicht auch, weil es dort nicht ganz so voll war 😊 Dave hat immer wieder versucht, mit echt schlechten Witzen die Meute bei Laune zu halten (*), aber die Herrschaften waren einfach zu alt und konnten sich teilweise auch nicht mal richtig begeistern, auszusteigen (*!). Richtig Stimmung kam nur auf, als Evelyn ihre Kaffee verschüttete oder Margaret sich ihre Zehe gestoßen hat…

Ich war froh, die genialsten Landschaften der Rocky Mountains gesehen und dann diese komischen Menschen losgeworden zu sein, als ich um 18 Uhr an meinem Hostel in Banff als Drittletzter abgesetzt wurde!

 

Mein erster richtig schöner Sonnenaufgang! Diese Landschaften! Der wunderbar eisige Gletscher... ...auf dem ich mal spazieren war! Es war ein echt herrlicher Tag Mein Lieblingssee!

 

 

 

 

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